Geschichte

Geschichte

Die Geschichte der Hamburger Kindertagesbetreuung reicht zurück bis ins 18. Jahrhundert. Im Jahr 1792 errichteten wohltätige Privatleute die ersten sog. 'Wartezimmer' für die Kinder der Armen der Stadt. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden, ebenfalls von Privatleuten getragen, mehrere sog. 'Warteschulen', die sich später in einem 'Verband der Warteschulen' zusammenschlossen. In diesen Einrichtungen betreute eine 'Wartefrau' üblicherweise 150 Kinder, angesichts langer Arbeitszeiten der Eltern von 6 bis 20 Uhr. Die Kinder wurden tagsüber verköstigt, und die Eltern zahlten, schon damals gestaffelt nach Höhe ihres Verdienstes, einen Elternbeitrag.


Vor einem ganz anderen sozialen Hintergrund, Mittelstand und Bildungsbürgertum, entwickelten sich seit etwa 1850 die 'Fröbel-Kindergärten'. Nicht Betreuung und Beköstigung, sondern Erziehung in der Gruppe und vorschulische Bildung waren die Ziele dieser Halbtagseinrichtungen.

Um diese Zeit, im Mai 1852, entstand auch der Vorläufer unserer heutigen Kita Kohlhöfen: in der Neustädter Fuhlentwiete 10 gründeten wohlhabende Bürger die "Kinderbewahranstalt" für Kinder unter 2 Jahren. Die heutige Kita Kohlhöfen ist damit eine ältesten Krippen Deutschlands und Hamburgs.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert differenzierte sich das Betreuungsangebot weiter aus. Ab 1884 gab es, getrennt nach Knaben und Mädchen, die ersten 'Horte', und 1900 öffnete eine weitere, ausdrücklich für Kleinstkinder bestimmte Einrichtung - die Krippe Tornquiststraße, die noch heute zu den Elbkindern gehört.

Erst über hundert Jahre nach Schaffung der ersten Wartezimmer setzten sich, getragen vor allem von der Arbeiterbewegung, sozialstaatliche Konzepte durch. Die Jugendwohlfahrt wurde zur öffentlichen Aufgabe, auch wegen der kümmerlichen Ressourcen und der mangelnden Professionalität, die vielen privat finanzierten Einrichtungen das Gepräge geben. 1923 formalisierte das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz eine staatliche Zuständigkeit und Aufsicht für Einrichtungen der Kinderbetreuung. Schon vier Jahre zuvor, 1919, gründeten in Hamburg die privaten Wohlfahrtseinrichtungen sowie verschiedene behördliche Dienststellen den 'Ausschuss für Säuglings- und Kleinstkinderanstalten e.V.'. Nicht im rechtlichen Sinne, aber in der Substanz ist war die Geburtsstunde der 'Vereinigung Hamburger Kindertagesstätten', also der heutigen Elbkinder.

Von nun an ergänzten städtische Gelder zunehmend die Mittel privater Geldgeber. Die Verhältnisse besserten sich, die Stadt nimmt Einfluss und setzt Standards. Schließlich übernahm die staatliche Seite 1931 die volle Kontrolle über den 'Ausschuss'. Die einrichtungsübergreifende Leitung und Verwaltung des Vereins wurde als Abteilung ins Jugendamt der Stadt Hamburg integriert, wo sie bis zum Jahr 1988 blieb. Die Einrichtungen selbst blieben allerdings rechtlich außerhalb der Behörde, in Trägerschaft des 'e.V.'.

Wie der Nationalsozialismus die Praxis der Kindertagesbetreuung in Hamburg prägte, ist wenig erforscht. Nationalsozialistische Ideologie und Propaganda haben, wie manche Berichte und Hinweise verdeutlichen, auch in der Erziehung der Kleinsten ihren Niederschlag gefunden. Von aktiver Nazi-Parteigängerschaft bis zum mutigen Versuch, zumindest im pädagogischen Alltag gegenzuhalten, mögen die Verhaltensweisen der Erwachsenen in den Kindertagesheimen damals gereicht haben. Eine historische Aufarbeitung, die fundiertere Aussagen ermöglicht, ist nötig, steht aber noch aus.

Offenbar verfolgte der hamburgische Senat in der Nazizeit das Ziel, den (1935 in 'Vereinigung Hamburgischer Kinderheime e.V.' umbenannten) Verein nicht in der NSDAP-Organisation 'Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt' (NSV) aufgehen zu lassen. Da 1940 alle nicht kommunalen Einrichtungen der NSV anheimfallen sollten, wurde in Hamburg entschieden, den alten Verein aufzulösen und die bisher in seinem Besitz befindlichen Gebäude der Stadt zu übereignen, die sie - mit einem noch heute wirksamen Vertrag aus dem Jahr 1941 - gleich wieder einem neu gegründeten Verein (der 'Vereinigung städtischer Kinderheime der Hansestadt Hamburg e.V.') zur Verwaltung und Nutzung überließ.

1945 nahmen im zerbombten und weitgehend entvölkerten Hamburg schon wenige Tage nach Kriegsende die ersten Kindertagesheime ihren Betrieb wieder auf. Die britische Besatzungsmacht übertrug der 'Vereinigung' auch die Tagesheime und Vollheime der aufgelösten NSV, so dass der Verein 76 Tagesheime und 20 Vollheime zu betreiben hatte. Als die Bevölkerung in die Stadt zurückströmte und die Frauen von den Arbeiten der Trümmerbeseitigung und des Wiederaufbaus in Anspruch genommen werden, wuchs der Bedarf nach Kindertagesbetreuung schnell. In ehemaligen NSV-Baracken, in alten Villen (die meist aus jüdischem Besitz stammten und von den Nazis beschlagnahmt worden waren) und in Holzhäusern, die aus Schweden und Norwegen gespendet wurden, entstanden unter schwierigsten Bedingungen neue Kitas der 'Vereinigung'.

Während die Vollheime von der 'Vereinigung' schrittweise an die Stadt Hamburg abgegeben wurden, entwickelte sich in den 50er Jahren mit den 'Sondertagesheimen für behinderte Kinder' ein wichtiges neues Aufgabengebiet. Kinder, die vorher oft in den Familien versteckt oder aber in meist außerhalb der Stadt liegenden Pflegeheimen betreut wurden, konnten nun in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung qualifiziert gefördert werden, ohne sie von ihren Familien zu trennen.

Das Gesamt-Betreuungsangebot der 'Vereinigung' wuchs von etwa 5000 Plätzen im Jahr 1945 auf 12.000 Plätze im Jahr 1965. 1985 waren es schon 19.000 Plätze. Mitte der 1980er Jahre gerieten Strukturen und Ausstattung der 'Vereinigung' ins Zentrum einer kontroversen landespolitischen Diskussion. Ergebnis war die Herauslösung des Zentralbereichs aus den behördlichen Strukturen und die Zusammenführung aller wesentlichen Unternehmensfunktionen im Verein bei gleichzeitiger Sicherung der städtischen Kontrolle durch die Zusammensetzung der Mitgliederversammlung und die besonderen Modalitäten der Pflegesatzfinanzierung. Diese in den Jahren 1987/88 geschaffene Struktur der 'Vereinigung' bestand fort, bis 2003 aus dem e.V. eine gGmbH wurde, also eine gemeinnützige GmbH. Im Jahr 2012 wurde als Dachmarke unseres gemeinnützigen Unternehmens der Name Elbkinder für alle unsere Kitas eingeführt. Damit betonen wir noch stärker, dass wir ein Hamburger Unternehmen für Kinder sind. Doch der Name 'Vereinigung' lebt als Geschäftsname 'Vereinigung Hamburger Kitas' bis zum heutigen Tage weiter.